Reisebericht aus 2007
 
 
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Reisebericht aus 2007.        Von CK Werner Finke   Sportboot: „ELA

Wer sich dafür interessiert, seinen nächsten Bootsurlaub an der Nordseeküste zu verbringen, sollte sich schon im Vorfeld mit den Begebenheiten einer Wattfahrt informieren. Für den Ersteinsteiger gibt es informative Fachliteratur in allen maritimen Buchhaltungen.
Es sind nur wenige Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um einen erholsamen und erlebnisreichen Urlaub an der Nordsee zu verbringen. Grundsätzliches sind ein küstentaugliches Sportboot mit einer ausreichenden Ausrüstung für die Binnen und Küstenfahrt.
Wie vorstehend schon angedeutet, ist eine akribische Törnplanung mit den neuesten Seekarten und einen gültigen Gezeitenkalender unerlässlich. Weiter empfehle ich auch, dass Gespräch mit einem erfahrenden Wattenskipper zu suchen. Der wichtigste Rat, fahre nie ins Watt bei ablaufend Wasser. Und noch einen Rat, vermeide Windstärken ab 5 Beaufort gegen Strom. Bleibe im Hafen bei einer aufkommenden Gewitterfront oder Seenebel.
Um diesen Reisebericht nicht über zu strapazieren, sollen hier nur auszugsweise aus meiner Logbuchführung „ KURS NORD 2007 „ eine kleine Wattfahrt vorgestellt werden.
Und hier tabellarisch die Fahrtstrecke: Ab Bremerhaven City-Port. Über den Mittelpriel nach Fedderwardersiel. Und über die Kaiserbalge nach Wilhelmshaven.

Distanzen u. Fahrtzeit:

Bremerhaven bis Einfahrt Mittelpriel 0,9 Sm Fahrtzeit: 0,2 Std.
Der Mittelpriel  0,8 Sm Fahrtzeit: 0,1 Std.
Fedderwarderpriel (Hinfahrt)   0,2 Sm Fahrtzeit: 1/2 Std.
Fedderwarderpriel (Rückfahrt bis Kaiserbalge) 2,5 Sm Fahrtzeit: 0,1 Std.
Kaiserbalge      0,5 Sm Fahrtzeit: 0,1 Std.
Jade (bis zur Seeschleuse) 0,3 Sm Fahrtzeit: 0,1 Std.


Die differenzierten Fahrtzeiten sollen hier nicht weiter beschrieben werden. Sie begründen sich aus den   unterschiedlichen      Strömungsverhältnissen   auf  der  Weser   und   Jade   gegenüber   den Wattfahrten, sowie seine Bootstechnische und Wetterbedingte Fahrweise.
In Bremerhaven konzentriere ich mich vornehmlich mit den Wetterberichten der Deutschen Bucht. Hilfreich hier „ Delta Papa 07 „ . Auch die Wetterstation in Bremerhaven an der Doppelschleuse bringt täglich einen aktualisierten Seewetterbericht heraus. Bei Windstärken um 4 Bft. aus NW würde ich aus Bremerhaven noch auslaufen. Darüber nicht mehr. Neben unsichtigen Wetterbedingungen, ist der Wind unser unangenehmster Partner an der Nordsee.
Ich habe meine Abfahrt aus Bremerhaven organisatorisch vorbereitet und lege zwei Stunden vor Hochwasser ab. Bei meiner Ausfahrt aus Bremerhaven achte ich auf die einlaufende Großschiffiahrt von der Weser. Vorsichtig sein, wenn die Weserfähre von Blexen oder ein Lotsenboot einläuft. Querströmung mit 2 bis 3 Knoten in der Ausfahrt.
So schnell wie möglich überquere ich die Weser und verlasse das Hauptfahrwasser in Kursrichtung NORD. Ich habe nun auf meiner Steuerbordseite die grünen Fahrwassertonnen und an meiner Bachbordseite die Buhnentonnen. Das ich jetzt gegen die auflaufende Flut fahre, begründet sich aus den Gezeitenunterschied zum Bezugsort Fedderwardersiel.

Die erste Prieleinfahrt auf meiner Backbordseite bei der grünen Fahrwassertonne „ 47 „ ist der Suezpriel. Hier fahre ich nicht rein. Als Anmerkung sei erklärt: Der Suezpriel ist nur Ankerplatz für die einheimischen Wassersportvereine.
Nach etwa zwei Stunden komme ich am Mittelpriel an. Ich rechne: 2 Stunden vor Hochwasser ab Bremerhaven. Plus zwei Stunden fahrt, sind 4 Std. auflaufend Wasser im Wattenhoch „ Hoher Weg,,.
Seekarte zur Hand nehmen und die Einfahrt in den Mittelpriel lokalisieren. Echolot anstellen und den Tiefenwarnton auf einen Meter einstellen.
Achtung: von Bremerhaven aus, hinter der „ Bu 23 „ ( Topzeichen OST ) in den Priel einfahren. Die Gefahrentonne (Kardinalsystem Toppzeichen NORD) bleibt auf meiner Backbordseite.
Voraus auf meiner Steuerbordseite sehe ich nun die drei Prickeneinfahrt in den Mittelpriel. (Auch Willi weg genannt).
Tabellarisch sei erklärt: Nicht aus versehen in das „Wremer Loch „ fahren. Hier liegen auch oft Sportboote vor Anker. Sicherheitsabstand zu den Pricken einhalten. So ungefähr drei Meter. Nicht so „ dicht „ auf den Vordermann auffahren. Im Begegnungsverkehr gelten die Regeln der KVR (Kollisionsverhütungsregeln im Küstenbereich) und die SeeSchStrO.
Nach etwa einer halben Stunde macht der Priel eine scharfe Rechtskurve so um die 120 Grad. Fahrt raus nehmen und Kurs halten. Versetzungsgefahr.
Warnung: Es kann schon mal vorkommen, das eine Pricke abgefahren ist. Der Rest steht dann unter Wasser. Vorsichtig sein. Der verantwortungsvolle Skipper gibt dieses im nächsten Hafen den Hafenmeister bekannt. Der wird da keine neune Pricke hinstellen, ruft aber im Tonnenhof / Bremerhaven an.
Nach einer Stunden komme ich am Ende des Mittelpriels an. Drei Pricken kennzeichnen die Ausfahrt. Es ist jetzt nahe Hochwasser. Der weitere Fahrweg aus den Mittelpriel nach Fedderwardersiel soll deswegen so genau beschrieben werden, weil an dieser Stelle immer wieder Fehler gemacht werden. Es gilt folgende Warnung: nicht zu früh aus den Mittelpriel in den Fedderwarderpriel einfahren. (Auflaufgefahr) Die Sportbootseekarte zur Hand nehmen und solange auf die 3 Pricken zufahren, bis diese gut sichtbar sind. In einem großen Bogen jetzt auf die „ F 12 „ (rot) fahren und in der Weiterfahrt nach Fedderwarden genau im Tonnenstrich bleiben.
Auf der Steuerbordseite sieht man zuerst die Einfahrt zum Fischereihafen. Die zweite Einfahrt ist der Budjadinger Yachtclub. Außenpegel beachten. Pricken kennzeichnen die Einfahrt in den Yachthafen. Der Sportboothafen fällt zum teil trocken. Aber nicht an den Gästestegen. Gäste sind immer Willkommen. Der Hafenmeister kommt nur zur Hochwasserzeit. Sanitäranlagen und Clubhaus oben auf den Deich. Im Ort Fedderwarden eingeschränkter Gästeservice.
Die Weiterfahrt aus Fedderwarden über die Kaiserbalge nach Wilhelmshaven
Ein gemütliches Ablegen nach dem Frühstück, so wie ich das aus einen Binnenhafen kenne ist dieses nicht. Eine Törnplanung an der Nordseeküste ist immer eine Gezeitenfrage. Gute Seemannschaft und eine verantwortungsvolle Reiseplanung für den nächsten Fahrtentag ist ein muss für jeden Freizeitskipper.

Ich habe meine Reisevorbereitungen abgeschlossen und fahre 2 Vz Stunden nach Niedrichwasser in Fedderwardersiel, aus den Yachthafen von Budjadingen. Warum 2 '/2 warten : weil das Hafenbecken tiefer liegt wie die Hafeneinfahrt. In der Hafeneinfahrt hat man einen Steindamm gelegt, um die Verschlickung im Hafenbecken zu vermeiden. Und noch eines: Einfahrt in die Kaiserbalge erst zwei Stunden vor Hochwasser in Wilhelmshaven. Alles klar.
Aus meinen Navigationsvorbereitungen weiß ich um das Hochwasser in Wilhelmshaven und meine Distanzberechnung der Fahrzeit über die Kaiserbalge.
Ich trage in meinem Logbuch ein:
Wind aus NW 3 bis 4 Bft. Gute Sicht. Distanz Fedderwardersiel nach Wilhelmshaven (Seeschleuse) 10,5 Seemeilen. Fahrt über Grund geschätzte 5 Knoten. Fahrtzeit so um die 2 bis 3 Stunden, (je nach Wetterlage) HW in Wilhelmshaven um 13.00 Uhr.
Bei Ausfahrt aus den Yachthafen von Budjadingen achte ich auf die vor Anker liegenden Yachten im Fedderwarderpriel und nehme KURS - NORD im Tonnenstrich der „ F „ - Tonnen bis zur roten „ F 10 „ .
Die Sportbootseekarte zeigt mir den Weg in die Kaiserbalge. Echolot anstellen. Eine Kabellänge vor der „ F 10 „ lege ich am Kompass 250 Grad West an (mwK) . Der Priel ist in Sichtweite. (Kurskorrektur).
Die Sportbootseekarte - 3011 Blatt 4 - zeigt die Untiefen auf der ersten Seemeile im Priel an. Wie schon besprochen, nicht zu früh in die Kaiserblage einfahren. Ich fahre immer zwei Stunden vor Hochwasser in Wilhelmshaven in den Priel ein.
In der Kaiserbalge habe ich auf halber Strecke die „ Spiere K 4 „ , die an meiner Steuerbordseite bleibt.
Drei Pricken kennzeichnen die Ausfahrt aus der Kaiserbalge. Wie der Weg aus der Kaiserbalge in die Jade um 2 Seemeilen abgekürzt werden kann, soll hier nicht beschrieben werden.
Ich halte mich an meiner seemännischen Sorgfaltspflicht und fahre die Kaiserbalge zu Ende bis zu den drei Pricken. Die Spierentonne „ K 2 „ bleibt mit 2 Kabellängen an meiner Steuerbordseite.
Nach der Passage der „ Reede - Tonne 6 „ fahre ich mit der auflaufenden Flut in Richtung Seeschleuse Wilhelmshaven.
Anmerkung für die Jade: Bei normalen Wetterbedingen. Starke Tidenströmung im Ebbstrom. Der Flutstrom läuft eine Std. länger auf. Stauwasser so um die 20 Minuten. Hängt mit dem Jadebusen zusammen. Vorsicht wenn die Marine ihre Manöver fährt. Kommt aber sehr selten vor. Nicht die Jade befahren bei Windstärken ab 5 Bft: gegen Strom. Hier baut sich eine Grundsee auf. Sehr ungesund.
Rufname der Seeschleuse „ Wilhelmshaven Lock auf UKW 13 „ . Beim verlassen der Seeschleuse fahre ich in den Binnenhafen und passiere die Kaiser - Wilhelm - Brücke. Hier am Südstrand sind mehrere Sportboothäfen beheimatet. Ich fahre weiter zum Wilhelmshavener -Yachtclub. Erkennbar schon vom weitem an dem hohen blauen Clubhaus. Hier alle Versorgungsmöglichkeiten am Steg. Gäste sind immer Willkommen. Stadtbummel und Einkaufen in Wilhelmshaven. Zum Südstrand nur weinige Minuten.

Von hier aus bietet sich die Weiterfahrt in den Ems - Jade - Jade Kanal nach Emden an. Kurz vor der Kesselschleuse in Emden fährt man links in den Ems - Seiten - Kanal und durch die Schleuse in Oldersum kommt man auf die Ems in Richtung Minden.
Zusammenfassung: Bringen wir es auf einen Nenner, das Revier der Deutschen Nordseeküste ist kein einfaches Sportbootgebiet. Es macht schon einen Unterschied, ob ich aus einen Binnenhafen oder aus einen Küstenhafen meinen Tagestörn vorbereite. In der Küstenfahrt müssen viele Ressourcen berücksichtigt werden. Das Wissen um die Wetterbedingungen und die Gezeitenunterschiede an der Küste sind für jeden Fahrtenskipper ein Pflichtfach. Eine gute Seemannschaft ist eine Grundvoraussetzung für einen erholsamen und erlebnisreichen Bootsurlaub an der Nordseeküste.


Mit sportlichem Gruß. Werner Finke.

 

 

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